Die Orgeln

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Das herausragende Merkmal der Bedheimer Kilian-Kirche sind ihre zwei Orgeln, die aus dem frühen 18. Jahrhundert stammen. Man erlebt hier sozusagen "barocken Stereosound". Johann Werner Krauß schrieb 1752 in seinen »Beyträge[n] zur Erläuterung der Hochfürstlichen Sachsen= Hildburghäusischen Kirchen= Schul= und Landes=Historie«:

"Diese Kirche hat in dem ganzen Fürstenthum das zuvor, daß in derselben zwo gangbare Orgeln anzutreffen sind, die von einem Organisten gespielt werden. Die eine Orgel stehet auf dem Sing=Chor, bestehet aus 11 Registern und 3 Zügen, und ist 1711 von Caspar Schippeln dem damals Sachsen= Hildurghäuser privilegierten Orgelmacher aufgesetzt worden. Die andere Orgel hängt an den Schwibbogen der Kirche, welche der Hochwohlgeborene Herr Johann Phillip von Heßberg, auf Bedheim, dermaliger Kirchen= Patron von anno 1710 an zu Bedheim, in die Kirche gestifftet, und dem Sachsen-Römhildischen Hof= und Stadt=Organisten und Orgelmacher 1720 für 104 Rthlr. ohne Bretter, Eisen, Zimmermanns= und Bildhauer= Arbeit veraccordiret. Darauf ist sie 1721 mit 3 Thürmen und 2 Feldern aufgesetzt worden. Sie bestehet aus 7 Registern, die Abstrakten gehen über den Kirchboden, und das Manual steht unter dem Manual der Orgel auf dem Sing=Chor, an welchen auch die Züge von den Registern stehen"
J. W. Krauß, "Beyträge" 2.Teil 1752, S.480/81.

Hauptorgel (1711) Schwalbennest-
Orgel  (1721)

Ob und welche Orgel vor dem Kirchenneubau 1696-99 vorhanden war, ist nicht bekannt. Ebenso ist es ein Rätsel, wieso der Schlossherr und Kirchenpatron Johann Philipp von Heßberg eine zweite Orgel einbauen ließ. Vielleicht ist der Tod von gleich fünf seiner Kinder in jenen Jahren die Ursache.

Nach neuesten Informationen von John Boersma, Orgelsachverständiger aus Blaricum/Niederlande, gibt es weltweit keine weitere derartige Orgelanlage. Er berichtet, auch in ganz Australien, Neuseeland und Asien ist eine derartige Aufstellung von Schwalbennestorgel und Hauptorgel nicht bekannt.

© Klaus W. Seyferth 1999 - 2015